Ein feuchter Keller im Altbau ist kein seltenes Problem - er betrifft Hunderttausende Hausbesitzer in Deutschland, besonders in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz. Viele denken, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Keller komplett kaputt ist. Doch das ist falsch. Mit der richtigen Diagnose und der passenden Sanierung kann man das Problem oft dauerhaft lösen - ohne dass man das ganze Haus aufschneiden muss.
Warum wird der Keller im Altbau feucht?
Die Ursache liegt nicht immer bei einem Undichtheitsproblem im Dach oder einer kaputten Rohrleitung. Bei Gebäuden, die vor 1970 gebaut wurden, wurde oft gar keine Abdichtung eingebaut. Die Wände und die Bodenplatte bestehen aus Ziegel, Bruchstein oder altem Mauerwerk, das von Natur aus feuchtigkeitsempfindlich ist. Ohne eine funktionierende Horizontalsperre - also eine Schicht, die das Aufsteigen von Wasser aus dem Erdreich stoppt - zieht das Grundwasser wie ein Docht durch die Poren des Mauerwerks nach oben. Das nennt man aufsteigende Feuchtigkeit.
Dazu kommt: Viele Häuser haben heute eine andere Umgebung als vor 50 Jahren. Terrassen, Einfahrten, Pflastersteine - alles versiegelt. Regenwasser kann nicht mehr versickern, sondern läuft direkt an die Kellerwand. Wenn die Regenrinnen verstopft oder schlecht geführt sind, sammelt sich das Wasser an den Außenwänden. Und schon beginnt die Feuchtigkeit, sich von außen nach innen zu arbeiten.
Auch die Luft spielt eine Rolle. Früher wurden Keller als Lagerräume genutzt - mit offenen Fenstern, die im Winter trockene Luft reinließen. Heute sind sie oft verschlossen, abgedichtet, mit Möbeln vollgestellt. Die Luft zirkuliert nicht mehr. Kalte Wände treffen auf warme, feuchte Luft - und schon bildet sich Kondenswasser. Das ist der Nährboden für Schimmel.
Was zeigt ein feuchter Keller?
Man muss nicht auf einen Wasserstrahl warten, um zu erkennen, dass etwas nicht stimmt. Schon kleinere Anzeichen sind Warnsignale:
- Weiße, krümelige Ablagerungen an den Wänden - das ist Salz, das mit der Feuchtigkeit nach oben gezogen wurde
- Putz, der abblättert oder sich wie Papier löst
- Einen muffigen, modrigen Geruch, der selbst bei geöffneten Fenstern nicht verschwindet
- Schwarze Flecken an den Ecken, besonders dort, wo Wand auf Boden trifft
- Wände, die auch bei trockenem Wetter kalt und feucht anfühlen
Wenn du eines dieser Symptome siehst, ist es nicht zu spät - aber es ist Zeit zu handeln. Je länger du wartest, desto mehr Salze lagern sich im Mauerwerk ab. Und das macht die Wand porös. Irgendwann bricht der Putz komplett ab, und das Mauerwerk selbst beginnt sich aufzulösen.
Warum Außenabdichtung oft nicht hilft
Die klassische Lösung: Alles aufgraben, die Außenwände abdichten, neue Drainage einbauen. Klingt logisch. Aber im Altbau funktioniert das oft nicht - oder nur sehr teuer und mit großen Nebenwirkungen.
Erstens: Du musst die Erde um den ganzen Keller herum entfernen. Das ist bei beengten Grundstücken fast unmöglich. Zweitens: Viele Altbauten haben Streifenfundamente - also nicht eine massive Betonplatte, sondern einzelne Fundamentbänder. Hier dringt das Wasser nicht nur von den Seiten, sondern auch über die Übergänge zwischen Fundament und Wand ein. Eine Außenabdichtung greift da nicht an.
Drittens: Selbst wenn du alles richtig machst, bleibt die Wand feucht. Denn die Feuchtigkeit aus dem Erdreich bleibt im Mauerwerk. Sie wird nur von außen abgedichtet, aber nicht abgezogen. Das führt dazu, dass die Wand kälter wird - und noch mehr Kondenswasser an der Innenseite entsteht. Und genau das ist der Schimmel-Killer: kalte Wände + feuchte Luft = Schimmel.
Was wirklich hilft: Sanierung von innen
Die beste Lösung für die meisten Altbau-Keller ist eine sorgfältig geplante Sanierung von innen. Sie ist weniger invasiv, kostet oft weniger und wirkt dauerhaft - wenn man es richtig macht.
Erster Schritt: Bestandsaufnahme. Nicht einfach loslegen. Du musst wissen:
- Wie hoch ist die Feuchtigkeit? (Mit einem Feuchtemesser messen)
- Welche Salze sind vorhanden? (Salzausblühungen deuten auf stark belastetes Mauerwerk)
- Wo kommt das Wasser her? (Von unten? Von außen? Von der Luft?)
Zweiter Schritt: Vorbereitung. Alte Farben, Putz, Tapeten - alles raus. Nicht nur abkratzen, sondern gründlich abschleifen. Nur so kannst du sicherstellen, dass die neue Abdichtung wirklich am Mauerwerk haftet. Besonders wichtig: Der Übergang zwischen Wand und Boden. Hier sammelt sich das Wasser. Den Anschluss musst du sauber ausbilden - mit einer Rundung, nicht mit einer Ecke.
Dritter Schritt: Feuchtigkeit stoppen. Dafür gibt es zwei Hauptmethoden:
- Injektionsverfahren gegen aufsteigende Feuchtigkeit: Bohre Löcher in die untere Wand, fülle ein spezielles Gel ein. Das verstopft die Kapillaren und stoppt das Wasser von unten.
- Sperrputz oder Dichtschlämme: Ein spezieller, salzbindender Putz, der Feuchtigkeit durchlässt, aber Salze zurückhält. Das ist der Schlüssel - er lässt die Wand atmen, ohne dass der Schimmel gewinnt.
Viertes: Entfeuchten. Nach der Sanierung braucht der Keller Zeit, um trocken zu werden. Ein professionelles Trocknungsgerät hilft dabei, die Luftfeuchtigkeit in wenigen Wochen von 80 % auf unter 60 % zu senken. Das verhindert, dass Schimmel nachwächst.
Was du unbedingt vermeiden solltest
Es gibt viele Produkte, die versprechen, das Problem schnell zu lösen - aber sie sind oft gefährlich.
- Normale Farbe oder Acrylputz auf feuchten Wänden? Das ist wie einen Verband auf eine Wunde kleben, die eitert. Die Feuchtigkeit bleibt, und der Putz löst sich in Monaten.
- Wasserdichte Folien auf den Boden legen? Das verhindert, dass die Wand trocknen kann. Sie wird noch feuchter - und Schimmel wächst darunter.
- Luftentfeuchter nur als Dauerlösung nutzen? Ja, der entzieht Luftfeuchtigkeit - aber er behandelt nicht die Ursache. Sobald du ihn abschaltest, kommt die Feuchtigkeit zurück.
Die Lösung ist nicht ein Produkt - sie ist ein Prozess. Und der braucht Zeit, Planung und Fachwissen.
Wie lange hält eine Sanierung?
Wenn alles richtig gemacht wird - 20 bis 30 Jahre. Manche Systeme sind sogar mit 30-jähriger Garantie erhältlich. Aber nur, wenn du die Feuchtigkeitsquelle wirklich bekämpfst. Einige Hausbesitzer sanieren nur die Sichtbarkeit: Sie streichen die Wände, kaufen einen Luftentfeuchter und denken, das Problem ist gelöst. Drei Jahre später ist der Schimmel wieder da - und meistens noch schlimmer.
Die richtige Sanierung stoppt das Wasser von unten, bindet die Salze, lässt die Wand trocknen und sorgt für Luftzirkulation. Dann bleibt der Keller trocken - und du kannst ihn wieder nutzen: als Lager, Werkstatt, Fitnessraum oder sogar als Wohnraum.
Was kostet eine Keller-Sanierung?
Es gibt keine Standardpreise. Aber als grobe Orientierung:
- Reine Vorbereitung und Putz entfernen: 15-25 €/m²
- Injektion gegen aufsteigende Feuchtigkeit: 30-50 €/m²
- Salzbindender Sanierputz: 20-35 €/m²
- Trocknungsgerät mieten (für 4-6 Wochen): 200-400 €
- Arbeitsaufwand (je nach Größe): 2.000-8.000 € insgesamt
Im Vergleich zu einer Außenabdichtung - die 15.000 € und mehr kostet - ist die Innenlösung die klügere Wahl. Und sie ist oft auch schneller: In vier Wochen ist der Keller trocken, statt in drei Monaten mit Erdarbeiten.
Was kannst du selbst tun?
Wenn du gerade erst bemerkst, dass dein Keller feucht ist, kannst du sofort etwas tun:
- Regenrinnen reinigen - mindestens zweimal im Jahr
- Prüfen, ob Regenwasser vom Haus weggelaufen wird - nicht dagegen
- Die Kellerfenster täglich 10-15 Minuten öffnen - auch im Winter
- Keine Möbel direkt an die Außenwand stellen - mindestens 10 cm Abstand lassen
- Einen einfachen Feuchtemesser kaufen - für unter 30 €
Diese Maßnahmen verlangsamen den Schaden. Sie lösen ihn nicht. Aber sie geben dir Zeit, die richtige Lösung zu finden - ohne Panik.
Kann man einen feuchten Keller einfach mit Farbe überstreichen?
Nein. Farbe oder normale Putze blockieren die Feuchtigkeit nicht - sie verstecken sie nur. Das Wasser bleibt im Mauerwerk, wird kälter und sorgt für Kondenswasser an der Innenseite. Der Putz löst sich ab, Schimmel wächst darunter. Das ist nur eine temporäre Lösung, die das Problem verschlimmert.
Ist ein Luftentfeuchter eine Dauerlösung für einen feuchten Keller?
Nein. Ein Luftentfeuchter senkt die Luftfeuchtigkeit, aber er behandelt nicht die Quelle der Feuchtigkeit. Sobald du ihn abschaltest, steigt die Luftfeuchtigkeit wieder an. Er ist ein Hilfsmittel - zum Beispiel während der Sanierung - aber kein Ersatz für eine bauliche Lösung.
Warum ist Salz im Keller so problematisch?
Salze werden mit dem Wasser aus dem Erdreich nach oben gezogen. Sie lagern sich im Mauerwerk ab und machen es porös. Der Putz bröckelt, die Wände werden instabil. Ein normaler Putz hält nicht - er löst sich auf. Nur ein spezieller salzbindender Sanierputz kann das aufnehmen und langsam abführen, ohne dass es zu Schäden kommt.
Muss man den Keller komplett entleeren, bevor man sanieren kann?
Ja. Möbel, Regale, Kisten - alles muss raus. Sonst kannst du die Wände nicht richtig prüfen, nicht abtragen und nicht sanieren. Außerdem verhindern Gegenstände die Luftzirkulation und halten Feuchtigkeit fest. Ein leerer Keller ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung.
Kann man eine Keller-Sanierung selbst machen?
Teilweise. Die Vorbereitung - Putz entfernen, Wände reinigen - kannst du selbst tun. Aber die Injektion gegen aufsteigende Feuchtigkeit, die Anwendung von Dichtschlämmen und die Verwendung von salzbindendem Putz erfordern Fachwissen. Falsch angewendet, verschlimmern diese Maßnahmen das Problem. Es ist ratsam, einen Fachbetrieb für die entscheidenden Schritte hinzuzuziehen.