Elektrische Nachtspeicherheizung: Pro und Contra im Überblick

Elektrische Nachtspeicherheizung: Pro und Contra im Überblick
Heimwerken & Renovierung

Wenn du in einem älteren Haus wohnst, ist es gut möglich, dass du noch eine Nachtspeicherheizung hast. Sie sieht aus wie ein großer, massiver Kasten an der Wand, oft in Küche oder Flur. Vielleicht hast du sie schon seit Jahren und fragst dich jetzt: Lohnt sich das noch? Oder solltest du sie endlich austauschen? Die Antwort ist nicht einfach - aber sie ist wichtig, besonders wenn du Geld sparen und deine Umweltbilanz verbessern willst.

Wie funktioniert eine Nachtspeicherheizung?

Die Technik ist einfach: In der Nacht, wenn der Strom günstiger ist, wird ein Steinblock aus Schamotte oder Beton mit Strom aufgeheizt - bis zu 600 Grad Celsius. Tagsüber gibt dieser Block die Wärme langsam ab, ohne dass noch Strom dazu gebraucht wird. Das klingt erstmal clever. Früher war das sogar sinnvoll. In den 70er-Jahren kostete Nachtstrom nur ein Drittel des Tagesstroms. Heute? Der Unterschied ist kaum noch da. Viele Anbieter haben die Nachttarife abgeschafft. Wer noch welche hat, zahlt oft nur noch 10 bis 15 Prozent weniger - und das bei einem Haushalt, der doppelt so viel Strom verbraucht wie mit moderner Heizung.

Vorteile: Was bleibt, wenn man ehrlich ist?

  • Niedrige Anschaffungskosten: Ein einzelner Nachtspeicherofen kostet zwischen 300 und 800 Euro - inklusive Montage. Das ist deutlich günstiger als eine Wärmepumpe, die 10.000 bis 15.000 Euro kostet.
  • Keine Wartung: Kein Kessel, keine Leitungen, kein Öl, kein Gas. Keine jährliche Inspektion. Kein Schornsteinfeger. Wenn er läuft, läuft er. Und das oft jahrelang ohne Probleme.
  • Einfache Installation: Du brauchst nur einen Stromanschluss. Keine Gasleitung, keine Brennwertheizung, keine Dachdämmung. Das macht sie ideal für Mietwohnungen oder kleine Räume.
  • Umweltfreundlich, wenn du Ökostrom hast: Wenn dein Strom aus Wind- oder Solaranlagen kommt, dann ist die Heizung klimaneutral. Keine direkten Emissionen im Haus. Nur: Das ist selten genug, um das Problem zu lösen.

Nachteile: Warum du sie nicht mehr brauchst

Die Vorteile klingen verlockend - aber sie wiegen nicht gegen die Nachteile. Und die sind schwerwiegend.

1. Der Wirkungsgrad ist katastrophal

Strom kommt ins Haus. Der Ofen wandelt ihn in Wärme um. Klingt doch gut? Doch der Weg dorthin ist der Fehler. Strom wird nicht im Haus erzeugt. Er kommt aus Kraftwerken. Und da geht viel verloren. Bei Kohlekraftwerken wird nur etwa 40 Prozent der Energie tatsächlich in Strom umgewandelt. Dann kommt er ins Haus, wird in Wärme umgesetzt - und schon ist der Gesamtwirkungsgrad bei 30 bis 40 Prozent. Eine moderne Wärmepumpe hingegen holt aus 1 Kilowattstunde Strom bis zu 5 Kilowattstunden Wärme. Das ist mehr als das Zehnfache an Effizienz.

2. Die Betriebskosten sind absurd hoch

Ein Zweipersonenhaushalt mit Nachtspeicherheizung verbraucht im Winter bis zu 8.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Ein vergleichbarer Haushalt mit Gasheizung braucht dafür etwa 2.000 Kilowattstunden - und zahlt dafür weniger als die Hälfte. Warum? Weil Gas viel günstiger ist als Strom pro Kilowattstunde Wärme. Und weil die Nachtspeicherheizung so viel Strom braucht, dass selbst der günstigere Nachtstrom nicht mehr hilft. In kalten Wintern heizt die Anlage nicht mehr genug. Dann musst du mit teurem Tagstrom nachlegen - und die Rechnung explodiert.

3. Die Regelung ist schlecht

Du kannst nicht einfach die Temperatur morgens hochdrehen. Du musst die Heizleistung am Vorabend einstellen. Wenn du denkst, es wird morgen 5 Grad kalt, und stellst den Ofen auf Hoch - und es wird nur 1 Grad kalt? Dann hast du die Wohnung überheizt. Und die Wärme entweicht durch Fenster, Wände, Decken. Wenn du den Ofen dagegen zu niedrig einstellst? Dann frierst du am Tag. Und musst mit teurem Tagstrom nachheizen. Es gibt keine Feinabstimmung. Keine Automatik. Keine Smart-Home-Funktion. Nur: Voraussagen. Und die sind oft falsch.

4. Asbest und Staub

Geräte, die vor 1990 installiert wurden, enthalten oft Asbest. Das ist nicht nur gefährlich, wenn du sie öffnest - sondern auch, wenn sie altert. Die Isolierung bröckelt. Staub steigt auf. Und das ist besonders problematisch für Allergiker. Eine Studie des Umweltbundesamts aus 2023 zeigte: In 62 Prozent der älteren Nachtspeicheröfen wurden Asbestfasern nachgewiesen. Und die werden nicht durch Filter abgefangen. Sie fliegen einfach durch die Luft.

5. Die Stromnetze haben sich verändert

Früher war die Idee: Nachts, wenn alle schlafen, braucht niemand Strom. Also nutze die überschüssige Energie. Heute? In der Nacht arbeiten Logistikzentren, Serverfarmen, Krankenhäuser. Windräder drehen. Solaranlagen speichern. Die Netze sind voll. Der Grund für Nachtspeicherheizungen ist weg. Und die Netzbetreiber haben keinen Grund mehr, dir günstigen Strom anzubieten. Die Tarife sind nicht mehr da. Oder sie sind so klein, dass sie nicht mehr reichen.

Ein Hausbesitzer steht zwischen einer schadstoffbelasteten alten Heizung und einer modernen Wärmepumpe mit Solaranlage.

Vergleich mit modernen Alternativen

Vergleich: Nachtspeicherheizung vs. moderne Heizsysteme
Merkmale Nachtspeicherheizung Wärmepumpe Gas-Brennwertheizung
Gesamtwirkungsgrad 30-40 % 300-500 % 90-98 %
Jährlicher Stromverbrauch (2-Personen-Haushalt) 7.000-9.000 kWh 3.000-4.000 kWh 1.800-2.500 kWh (Gas)
Anschaffungskosten 300-800 € 10.000-15.000 € 6.000-10.000 €
Betriebskosten pro Jahr 1.200-1.800 € 600-900 € 800-1.100 €
CO₂-Emissionen (pro Jahr) 3.500-4.500 kg 300-700 kg (mit Ökostrom) 2.000-2.500 kg
Regelbarkeit Sehr schlecht Sehr gut Gut
Asbest-Risiko Hoch (bei Geräten vor 1990) Kein Risiko Kein Risiko

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Nachtspeicherheizung ist das teuerste, ineffizienteste und umweltschädlichste System hier. Die Wärmepumpe ist die klare Nummer eins - wenn du Ökostrom hast. Die Gasheizung ist immer noch besser als die Nachtspeicherheizung - und das, obwohl sie mit fossilem Gas arbeitet.

Was ist mit Photovoltaik und Nachtspeicherheizung?

Viele denken: Ich baue Solarpanele aufs Dach, und die heizen meine Wohnung. Klingt perfekt. Aber es funktioniert nicht. Eine Photovoltaik-Anlage mit 5 kWp erzeugt im Durchschnitt 4.500 kWh pro Jahr. Eine Nachtspeicherheizung braucht aber 8.000 kWh. Selbst wenn du den ganzen Solarstrom nutzt - du hast immer noch 3.500 kWh zu wenig. Und die brauchst du aus dem Netz. Und das ist teuer. Ein Pufferspeicher hilft nicht viel. Er speichert nur, was du hast - aber du hast nicht genug. Und die Kosten für den Speicher sind so hoch, dass du damit lieber eine Wärmepumpe kaufen könntest.

Ein riesiges Sanduhr-Icon zeigt Energieverschwendung links und Effizienz rechts, mit einer Familie, die friert, und einer, die sich wohlfühlt.

Was solltest du tun?

  • Wenn du noch eine alte Nachtspeicherheizung hast: Prüfe, ob sie Asbest enthält. Lass sie von einem Fachmann untersuchen. Wenn ja: Nicht selbst öffnen. Nicht selbst reparieren. Kontaktiere einen Sanierer.
  • Wenn du umziehst oder renovierst: Tausche sie aus. Nicht morgen. Aber in den nächsten zwei Jahren. Die Betriebskosten werden nur weiter steigen. Die Tarife werden weiter verschwinden.
  • Wenn du dich für eine Wärmepumpe entscheidest: Hole dir einen Energieberater. Er prüft, ob dein Haus gut gedämmt ist. Eine Wärmepumpe braucht eine gute Dämmung. Sonst verliert sie Wärme - und du verlierst Geld.
  • Wenn du keine Alternativen hast: Nutze die Heizung nur, wenn du Ökostrom hast. Und stell sie auf niedrig. Vermeide Nachtheizung. Und überlege, ob du nicht zumindest einen modernen elektrischen Heizstrahler für den Raum nutzt, in dem du dich am meisten aufhältst.

Fazit: Eine Technik aus der Vergangenheit

Die Nachtspeicherheizung war einmal eine Lösung für ein Problem, das es heute nicht mehr gibt. Sie war eine Antwort auf hohe Tagstrompreise. Heute ist der Strom teuer - egal, ob tagsüber oder nachts. Und sie war eine Antwort auf eine andere Art von Energieversorgung. Heute wissen wir: Energie sparen ist besser, als sie zu verschwenden. Die Nachtspeicherheizung verschwendet Energie. Sie kostet Geld. Sie belastet die Umwelt. Und sie ist unpraktisch. Es gibt bessere Wege. Und die sind längst da. Du musst sie nur nutzen.

Ist eine Nachtspeicherheizung noch zulässig?

Ja, sie ist rechtlich noch zulässig. Es gibt kein Verbot. Aber viele Kommunen und Energieversorger fördern den Austausch. Wer sie behält, verliert möglicherweise Zuschüsse für neue Heizsysteme. Auch bei der Energieeinsparverordnung (EnEV) gilt sie nicht mehr als effizient. Wer sie behält, muss bei Verkauf des Hauses nachweisen, dass sie nicht mehr als 50 % der Wärme bereitstellt - was oft nicht der Fall ist.

Kann man eine Nachtspeicherheizung mit einer Wärmepumpe kombinieren?

Technisch ja - aber sinnvoll nein. Eine Wärmepumpe ist viel effizienter. Wenn du sie als Hauptheizung nutzt, brauchst du die Nachtspeicherheizung nicht mehr. Sie wird nur zu einer zusätzlichen Last im Netz. Und sie kostet dich Geld. Besser ist es, sie abzuschalten und die Wärmepumpe voll auszulasten. Falls du sie als Notfallheizung behalten willst - dann nur, wenn du sie komplett vom Netz trennst und sie nur im Notfall einschaltest.

Wie viel kostet der Austausch einer Nachtspeicherheizung?

Der Austausch kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro, je nach System. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liegt meist bei 10.000 Euro. Dazu kommen eventuell 2.000 bis 4.000 Euro für Dämmung oder neue Heizkörper. Aber: Der Staat zahlt bis zu 40 % der Kosten als Zuschuss, wenn du die alte Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt. Mit Förderung sinkt der Eigenanteil auf 6.000 bis 9.000 Euro. Und die jährlichen Einsparungen bei den Heizkosten machen sich in 5 bis 7 Jahren bezahlt.

Warum gibt es noch Nachtspeicherheizungen in neuen Häusern?

In neuen Häusern gibt es sie nicht mehr. Seit 2015 ist die Installation von Nachtspeicherheizungen in Neubauten in Deutschland verboten. Wenn du eine in einem neuen Haus siehst, ist sie entweder falsch installiert, oder es handelt sich um einen Umbau. Alle Neubauten müssen seitdem mit effizienten Heizsystemen ausgestattet sein - also Wärmepumpen, Solarthermie oder Fernwärme.

Was passiert mit alten Nachtspeicherheizungen, wenn man sie abbaut?

Sie werden als Sondermüll entsorgt. Der Speicherblock enthält oft Asbest oder andere Schadstoffe. Deshalb darf er nicht auf den Hausmüll. Ein Fachbetrieb nimmt ihn ab, trennt die Metallteile, versiegelt den Steinblock und bringt ihn zur Sondermülldeponie. Die Entsorgung kostet zwischen 150 und 300 Euro. Viele Kommunen übernehmen die Kosten, wenn du eine Wärmepumpe nachinstallierst. Frag bei deinem Energieversorger oder der Kommune nach.