PAK in Parkettklebern erkennen, Grenzwerte verstehen und richtig sanieren

PAK in Parkettklebern erkennen, Grenzwerte verstehen und richtig sanieren
Heimwerken & Renovierung

Wenn du in einem älteren Haus wohnst und über eine Sanierung des Parkettbodens nachdenkst, solltest du vor dem Abschleifen oder Entfernen des Bodens eine Frage stellen: PAK in den Klebstoffen? Diese Frage ist nicht nur technisch relevant - sie ist lebenswichtig. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, sind in alten Parkettklebern verborgen, die vor 1970 verlegt wurden. Sie sind krebserregend, geruchlos und unsichtbar - bis du genau hinsiehst.

Wie erkennt man PAK-haltigen Parkettkleber?

Der einfachste Hinweis ist die Farbe. Teerhaltige Kleber, die zwischen 1930 und 1969 verwendet wurden, sind fast immer schwarz oder dunkelbraun. Sie sehen aus wie verkrusteter Teer, nicht wie weißer oder grauer Zementkleber. Wenn du an den Rändern des Parketts eine Lücke findest - etwa bei einem lose liegenden Stab - und darunter ein schwarzes, glänzendes, sprödes Material siehst, ist das ein starkes Indiz.

Andere Anzeichen: Fugen, die plötzlich größer werden, Parkett, das unter dem Druck deiner Fußsohle nachgibt, oder ein Unterboden, der sich hohl anhört. Das liegt nicht nur an Alter oder Feuchtigkeit. Der Kleber ist versprödet. Er bricht, statt zu haften. Das ist kein normaler Verschleiß - das ist chemischer Zerfall.

Doch Visuelles reicht nicht. Nur eine Laboranalyse kann Sicherheit geben. Dazu hebst du einen Parkettstab am Rand vorsichtig an - nicht mit einem Brecheisen, sondern mit einem dünnen Holzkeil - und nimmst eine Probe des Klebers. Oder bohrst mit einem feinen Bohrer durch den Stab hindurch, um Material aus der Kleberschicht zu entnehmen. Diese Probe wird dann auf Benzo(a)pyren (BaP) untersucht, das als Leitstoff für alle PAK gilt.

Was sind die offiziellen Grenzwerte?

Der Grenzwert ist kein einheitlicher Gesetzeswert, sondern eine Handlungsanleitung, die seit 1998 vom Umweltbundesamt entwickelt wurde und heute in ganz Deutschland angewendet wird. Die Regeln sind klar, aber stufenweise.

  • Unter 10 mg BaP pro kg Kleber: Kein Handlungsbedarf. Du kannst den Boden wie normal sanieren - abschleifen, neu verlegen, lackieren. Keine Gefahr.
  • 10 bis 3.000 mg BaP pro kg Kleber: Jetzt wird es ernst. Du musst den Hausstaub prüfen. Wenn dort mehr als 10 mg BaP pro kg gefunden werden, ist die Luftbelastung zu hoch. Dann brauchst du sofort Maßnahmen: regelmäßiges Feuchtsaugen, keine trockene Reinigung, keine Heizungsluft direkt über dem Boden, und vor allem: keine Renovierung ohne Schutz.
  • Über 3.000 mg BaP pro kg Kleber: Hier geht’s um die Raumluft. Wenn die Konzentration von BaP in der Luft mehr als doppelt so hoch ist wie draußen - und mindestens 3 Nanogramm pro Kubikmeter beträgt - ist das ein Notfall. Dann darf niemand mehr ohne Atemschutz im Raum sein. Kein Kinderzimmer, kein Schlafzimmer. Keine Renovierung ohne Fachbetrieb.

Die AGÖF hat zusätzlich einen Auffälligkeitswert für Hausstaub: 0,3 mg BaP pro kg. Das ist kein Grenzwert, aber ein Warnsignal. Wenn du diesen Wert überschreitest, solltest du dich nicht auf das „vielleicht“ verlassen. Handeln.

Eine Familie geht auf einem Boden, während unsichtbare Schadstoffe in der Luft schweben.

Warum ist das so gefährlich?

PAK sind nicht einfach nur „schlechte Chemikalien“. Sie sind krebserregend. Benzo(a)pyren, der wichtigste Vertreter, verändert die DNS in deinen Zellen. Es braucht Jahre, bis sich ein Tumor bildet - aber die Schäden beginnen sofort. Besonders gefährdet sind Kinder, Schwangere und ältere Menschen. Ihre Körper sind empfindlicher.

Und es kommt noch schlimmer: Wenn in deinem Haus auch Asbest in Dämmungen oder Leitungen steckt, dann verstärken PAK und Asbest ihre Wirkung. Das Risiko für Lungenkrebs steigt deutlich. Es ist kein theoretisches Szenario. In Deutschland wurden in den 2010er Jahren mehrere Fälle dokumentiert, bei denen Wohnungen mit altem Parkett und Asbestdämmung zu schweren Erkrankungen führten.

Die Gefahr kommt nicht von einem plötzlichen Ausbruch. Sie kommt von der Dauer. Jeder Atemzug, jede Staubpartikel, die du aufwirbelst - das ist eine kleine Dosis. Und die summiert sich.

Wie wird sanieren richtig gemacht?

Sanieren heißt nicht: abkratzen, abschleifen, neu verlegen. Das ist der größte Fehler, den man machen kann. Wenn du einen PAK-belasteten Kleber abschleifst, verteilst du die Schadstoffe in der ganzen Wohnung. Sie landen in der Luft, im Möbelstaub, in der Kleidung - und in der Lunge deiner Familie.

Die richtige Methode ist Schritt für Schritt:

  1. Probe nehmen: Erst mal die Kleberschicht analysieren. Keine Annahmen, keine Vermutungen.
  2. Hausstaub prüfen: Wenn der Kleber über 10 mg BaP enthält, muss der Staub untersucht werden. Dafür nimmst du Staubproben aus Ecken, unter Möbeln, an Bodenrändern.
  3. Raumluft messen: Bei Werten über 3.000 mg/kg im Kleber ist die Luftmessung Pflicht. Dafür brauchst du ein spezielles Gerät wie den Gravikon PM 4-2, das nach VDI 2463 Bl. 7 arbeitet. Es saugt genau 2,76 Kubikmeter Luft pro Stunde an - und filtert die PAK heraus.
  4. Sanierung wählen: Es gibt drei Wege:
    • Abdecken: Wenn der Boden stabil ist, kannst du ihn mit einer luftdichten Folie abdichten und neue Bodenplatten drauflegen. Das ist die günstigste Lösung - aber nur, wenn die Belastung nicht zu hoch ist.
    • Entfernen mit Schutz: Bei hohen Werten muss der Boden mit Absaugung, Versiegelung und Atemschutz entfernt werden. Die Kleberschicht wird nicht abgeschliffen, sondern vorsichtig abgekratzt, während ein Unterdruckgerät den Staub direkt absaugt.
    • Entsorgung: Der abgetragene Kleber ist gefährlicher Abfall. Er darf nicht in den Hausmüll. Er muss als Sondermüll mit einer speziellen Kennzeichnung entsorgt werden - oft als „pechhaltiger Straßenaufbruch“.
  5. Nachkontrolle: Nach der Sanierung muss die Raumluft noch einmal gemessen werden. Nur wenn sie unter dem Außenluftwert liegt, ist die Wohnung sicher.

Das ist kein Heimwerkerprojekt. Das macht ein Fachbetrieb mit Zertifizierung. Wer das ohne Schutz macht, setzt sich und andere in Gefahr.

Ein Fachmann entfernt mit Absauggerät belasteten Kleber, während ein Messgerät Daten anzeigt.

Was gilt rechtlich?

Es gibt keine EU-weite Verordnung, die PAK in Gebäuden regelt. Das ist kein Fehler - das ist Realität. Deshalb arbeiten die Bundesländer mit eigenen Handlungsanleitungen. In Berlin, NRW oder Bayern gelten die gleichen Grenzwerte, aber die Durchsetzung ist unterschiedlich.

Für Verbraucherprodukte gilt seit 2015: Maximal 1 mg/kg für acht krebserregende PAK. Aber das gilt für Spielzeug, Möbel, Spielzeug - nicht für alten Kleber in der Wand. Der ist „nicht vermarktungsfähig“ - er ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der man noch nicht wusste, was man tut.

Das bedeutet: Du hast keine rechtliche Pflicht, den Boden zu sanieren - solange du nicht verkaufst. Aber du hast eine moralische und gesundheitliche Verantwortung. Wenn du Kinder hast, oder ältere Eltern bei dir wohnen, dann ist die Frage nicht: „Darf ich?“ Sondern: „Sollte ich?“

Was kommt als Nächstes?

Die Technik wird besser. Geräte wie der Gravikon PM 4-2 sind heute schon so präzise, dass sie PAK in der Luft in Echtzeit messen können. Bald werden Smart-Home-Systeme mit Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich die Luftqualität überwachen - und dich warnen, wenn PAK-Werte steigen.

Und die Gesetze? Sie werden schärfer. In Schulen und Kitas werden bereits heute strengere Grenzwerte angewendet. In einigen Städten ist die Prüfung von PAK bei Immobilienverkäufen Pflicht geworden. Das wird sich ausbreiten.

Was du jetzt tust, hat langfristige Folgen. Ein sanierter Boden ist nicht nur sicherer - er ist auch wertvoller. Wer heute ein Haus mit altem Parkett kauft, fragt nach PAK. Wer es sanieren lässt, erhöht den Wert. Wer es ignoriert, riskiert Gesundheit - und später vielleicht auch die Verkaufsfähigkeit.

Kann ich PAK im Parkettkleber selbst erkennen, ohne Labor?

Du kannst verdächtige Merkmale erkennen: schwarzer, spröder Kleber, lose Parkettstäbe, offene Fugen größer als 2 mm. Aber du kannst nicht sicher sein. Nur eine Laboranalyse auf Benzo(a)pyren gibt verlässliche Ergebnisse. Visuelle Einschätzung ist kein Ersatz für Messung.

Ist ein PAK-belasteter Boden immer gefährlich?

Nein. Wenn der Kleber weniger als 10 mg BaP pro kg enthält, ist die Gefahr vernachlässigbar. Auch wenn der Kleber hoch belastet ist, ist die Luftbelastung oft niedrig - wenn der Boden intakt ist und nicht gestört wird. Die Gefahr entsteht erst, wenn du abschleifst, bohrst oder den Boden aufreißt. Dann werden die Schadstoffe freigesetzt.

Was kostet die Sanierung eines PAK-belasteten Parkettbodens?

Die Kosten variieren stark. Eine einfache Probenahme kostet 150-300 €. Die Raumluftmessung etwa 400-600 €. Die Sanierung selbst: bei geringer Belastung und Abdeckung 30-50 €/m², bei vollständiger Entfernung mit Schutzmaßnahmen 80-150 €/m². Das ist teuer - aber günstiger als medizinische Folgekosten.

Darf ich den Boden einfach abdecken, statt zu entfernen?

Ja, wenn der Kleber weniger als 3.000 mg BaP pro kg enthält und der Boden stabil ist. Dann kannst du eine luftdichte Folie aufbringen - z. B. eine spezielle PAK-Sperrfolie - und neue Bodenplatten darauf verlegen. Das ist eine gängige und sichere Methode, wenn sie fachgerecht durchgeführt wird. Aber: Du darfst den alten Boden nicht mehr beschädigen. Kein Bohren, kein Nägeln durch die neue Decke.

Woher weiß ich, ob ein Sanierungsunternehmen seriös ist?

Frage nach Zertifikaten: Sie sollten nach VDI 2463 Bl. 7 arbeiten, über einen Atemschutzplan verfügen und über eine Sondermüll-Entsorgungslizenz für PAK-haltige Abfälle. Frag nach Referenzen - besonders nach Projekten in Wohngebäuden. Ein seriöses Unternehmen gibt dir die Messprotokolle und die Entsorgungsbelege - schriftlich. Keine mündlichen Zusagen.