Sicherheitskameras bei Renovierung installieren: So bleiben Sie datenschutzkonform

Sicherheitskameras bei Renovierung installieren: So bleiben Sie datenschutzkonform
Immobilien & Recht

Beim Renovieren Ihres Hauses wollen Sie die Baustelle im Auge behalten - das ist verständlich. Vandalismus, Diebstahl oder unerlaubte Zugänge können teuer werden. Aber was, wenn Ihre Kamera auch Ihren Nachbarn auf dem Gehweg oder die Straße vor Ihrem Haus erfasst? Dann laufen Sie Gefahr, gegen das Datenschutzrecht zu verstoßen - und das kann teuer werden. Ein Bußgeld von über 3.000 Euro ist kein seltenes Szenario, wenn Kameras falsch ausgerichtet sind. Die gute Nachricht: Es gibt eine einfache Lösung, die rechtssicher und praktisch funktioniert.

Was ist erlaubt - und was nicht?

Sie dürfen Kameras auf Ihrer Baustelle installieren, aber nur, wenn sie ausschließlich Ihren eigenen Grundstücksbereich erfassen. Das ist die Grundregel. Laut Bundesgerichtshof (BGH) ist es unzulässig, öffentliche Wege, Gehwege oder Nachbargrundstücke in das Bild zu bekommen. Selbst wenn Sie nur kurz aufnehmen - zum Beispiel während der Mittagspause - ist das ein Verstoß. Die DSGVO schützt nicht nur Ihre Daten, sondern auch die von anderen. Jeder, der in der Kameraauflösung erkennbar ist, hat ein Recht darauf, nicht unbemerkt gefilmt zu werden.

Das gilt auch für Fahrzeuge. Wenn Ihr Kamera-Bild ein Kennzeichen erfasst, wird das als personenbezogene Datenverarbeitung gewertet. Und das ist streng reguliert. Selbst wenn Sie nur die Baustelle im Blick haben, kann ein vorbeifahrendes Auto oder ein geparkter Lieferwagen den Unterschied zwischen legal und illegal ausmachen.

Warum Verpixelung nicht optional ist

Viele Kameras auf dem Markt zeichnen einfach alles auf - Personen, Autos, Türen, Fenster. Das ist riskant. Die DSGVO verlangt, dass personenbezogene Daten nur so lange gespeichert werden, wie nötig. Für Baustellen heißt das: maximal 72 Stunden. Danach müssen die Aufnahmen gelöscht werden - es sei denn, es gab einen konkreten Vorfall wie einen Einbruch. Dann dürfen Sie die Daten länger aufbewahren, aber nur, wenn sie anonymisiert sind.

Wie? Durch dynamische Verpixelung. Moderne Systeme wie Netco BauTV+ oder Jennov SecureView erkennen automatisch Menschen und Fahrzeuge im Bild und verpixeln sie in Echtzeit. Das ist kein manuelles Nachbearbeiten. Das System läuft autonom. Es erkennt, wer oder was erfasst wird - und macht es unsichtbar. Nur die Baustelle bleibt klar zu sehen: Mauerwerk, Rohre, Gerüste, Werkzeuge. Alles andere wird verschwommen. Das ist der einzige Weg, um länger als 72 Stunden zu speichern - und trotzdem legal zu bleiben.

Ohne Verpixelung: Risiko. Mit Verpixelung: Sicherheit. Ein Nutzer aus Hamburg berichtete im Forum wohnen-im-eigentum.de, dass er nach der Installation einer billigen Kamera ohne Verpixelung eine Abmahnung von 1.200 Euro erhielt. Sein Nachbar hatte Fotos von sich auf Facebook gefunden - aufgenommen, ohne dass er es wusste. Die Kamera zeichnete den Gehweg vor dem Haus auf. Das war kein Zufall. Das war ein klarer Verstoß.

Wie Sie die Kamera richtig ausrichten

Die Ausrichtung ist entscheidend. Hier ist, was Sie tun müssen:

  • Stellen Sie die Kamera so auf, dass sie nur den Bereich Ihrer Baustelle erfasst - nicht mehr, nicht weniger.
  • Vermeiden Sie jegliche Blickrichtung auf Gehwege, Straßen, Fenster oder Gärten Ihrer Nachbarn.
  • Prüfen Sie das Bild bei Tageslicht und bei Dunkelheit. Was im Sonnenlicht unsichtbar scheint, kann bei Nacht plötzlich sichtbar werden.
  • Wenn Sie ein Dach oder ein hohes Gerüst haben, achten Sie darauf, dass die Kamera nicht nach oben oder zur Seite schwenkt.
  • Testen Sie die Sichtweite mit einem Smartphone. Halten Sie es an die Stelle, wo die Kamera später stehen soll. Was sehen Sie? Wenn Sie etwas außerhalb Ihres Grundstücks erkennen, ist die Position falsch.

Die Deutsche Mieterbund-Umfrage aus dem Jahr 2023 zeigt: 68 % der Renovierungsunternehmen machen diesen Fehler beim ersten Versuch. Die Kameras sind einfach zu weit ausgerichtet. Es ist leicht zu übersehen - aber auch leicht zu vermeiden.

Eine KI-Sicherheitskamera verpixelt automatisch Personen und Fahrzeuge, während Baustellenobjekte scharf bleiben.

Kennzeichnung ist Pflicht

Sie dürfen Ihre Kamera nicht einfach verstecken. Die DSGVO verlangt Transparenz. Jeder, der in den Bereich kommt, muss wissen, dass er gefilmt wird. Das bedeutet: Eine deutliche, gut sichtbare Warnung muss am Eingang der Baustelle angebracht sein. Die Beschriftung sollte klar sagen:

  • „Videoüberwachung im Einsatz“
  • „Für Sicherheitszwecke“
  • „Datenschutzbeauftragter: [Name oder Anschrift]“

Diese Hinweise müssen wetterfest sein und mindestens A5-Größe haben. Ein kleiner Aufkleber an der Wand reicht nicht. Die Landesbeauftragte für Datenschutz in Niedersachsen betont: Ohne Kennzeichnung ist die Überwachung rechtswidrig - selbst wenn die Kamera perfekt ausgerichtet ist. 29 % der Verstöße bei Baustellen entstehen genau deshalb: weil niemand weiß, dass er gefilmt wird.

Speicherung und Löschung: Die 72-Stunden-Regel

Die Aufnahmen dürfen nicht ewig gespeichert werden. Die Regel lautet: maximal 72 Stunden. Danach müssen sie automatisch gelöscht werden - es sei denn, ein Vorfall liegt vor. Ein Einbruch, ein Schaden, ein Unfall. Dann können Sie die relevanten Dateien länger aufbewahren - aber nur die. Und auch dann müssen Sie sie anonymisieren, wenn sie länger als 72 Stunden gespeichert werden sollen.

Das bedeutet: Keine manuelle Löschung. Kein „Ich lösche morgen“. Die Löschanweisung muss automatisch laufen. Moderne Systeme bieten eine integrierte Speicherregelung: Nach 72 Stunden wird der älteste Datensatz überschrieben. Das ist sicher, effizient und rechtssicher.

Ein Konflikt zwischen illegaler Überwachung und rechtssicherer KI-Technik, dargestellt als surreal-psychedelische Szene.

Was passiert, wenn Sie es falsch machen?

Die Konsequenzen sind ernst. Im Jahr 2023 wurden im Baugewerbe 287 Bußgelder wegen datenschutzwidriger Kameras verhängt. Der Durchschnitt lag bei 3.850 Euro pro Fall. Einige Fälle lagen bei über 10.000 Euro - besonders, wenn mehrere Nachbarn betroffen waren oder die Kamera über Monate illegal lief.

Und es geht nicht nur um Geld. Sie können auch von Nachbarn verklagt werden. Ein Fall in Mainz: Ein Hausbesitzer hatte Kameras installiert, die die Straße vor seinem Haus erfassten. Die Nachbarn reichten eine Beschwerde ein. Die Behörde ordnete keine Entfernung an - das ist rechtlich nicht möglich. Aber sie verhängte ein Bußgeld und forderte eine schriftliche Erklärung, dass die Kamera abgeschaltet wurde. Der Eigentümer musste zudem die Kosten für die Prüfung tragen. Die Rechtslage ist kompliziert - aber die Strafen sind klar.

Was tun, wenn Sie unsicher sind?

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Kamera rechtssicher ist: Holen Sie sich Hilfe. Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz (BfDI) arbeitet an neuen Leitfäden für Baustellenkameras - sie werden im dritten Quartal 2024 veröffentlicht. Bis dahin gilt: Wenn Sie unsicher sind, dann nutzen Sie ein System mit automatischer Verpixelung. Das ist der sicherste Weg.

Ein Bauunternehmen aus München hat nach einem Bußgeld von 4.200 Euro auf ein KI-basiertes System umgestellt. Der zusätzliche Aufwand: 150 Euro im Monat. Der Vorteil: Keine weiteren Abmahnungen, keine Stresssituationen mit Nachbarn, keine juristischen Risiken. Die Investition hat sich nach drei Monaten amortisiert.

Die Zukunft: KI macht’s einfacher

Die Technik entwickelt sich schnell. Bis 2026 werden 85 % aller Baustellenkameras über integrierte KI-Verpixelung verfügen. Das ist kein Trend - das ist die neue Norm. Die alten Kameras ohne Anonymisierung sind out. Sie sind nicht nur riskant, sie sind auch teuer. Wer heute eine neue Kamera kauft, sollte nur noch solche wählen, die automatisch Personen und Fahrzeuge verschwimmen lassen.

Die Vorteile sind klar: Kein manuelles Nacharbeiten, keine Angst vor Bußgeldern, keine Konflikte mit Nachbarn. Und: Sie können die Baustelle wirklich dokumentieren - ohne dass jemand sich beobachtet fühlt. Das ist der richtige Weg.