Türzarge wechseln: So vergrößern und stabilisieren Sie die Türöffnung sicher

Türzarge wechseln: So vergrößern und stabilisieren Sie die Türöffnung sicher
Heimwerken & Renovierung

Wenn du deine Türöffnung vergrößern willst, um mehr Licht reinzulassen, einen größeren Türflügel einzubauen oder einfach moderner zu bauen, dann geht es nicht nur darum, ein paar Ziegel rauszuhauen. Die Türzarge - der Rahmen, der das Türblatt trägt - ist das Rückgrat der gesamten Türkonstruktion. Eine falsch vergrößerte Öffnung kann Risse in der Wand, Schließprobleme oder sogar statische Schäden verursachen. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du eine Türzarge sicher wechselst, die Öffnung vergrößerst und stabilisierst - ohne teure Fehler zu machen.

Warum du die Türzarge wechseln musst

Nicht jede Türverbreiterung erfordert einen neuen Rahmen. Aber wenn du die Öffnung um mehr als 5 cm pro Seite vergrößerst, ist eine neue Zarge nicht nur sinnvoll - sie ist Pflicht. Alte Zargen aus den 70er oder 80er Jahren sind oft zu schmal, zu schwach oder aus Materialien, die nicht mehr den heutigen Anforderungen standhalten. Besonders bei Renovierungen, wo du auch die Dämmung verbessern willst, sind moderne Zargen mit integrierter Wärmedämmung die bessere Wahl.

Die DIN-Norm 18101:2023-08, die seit August 2023 gilt, schreibt klar vor: Bei jeder Veränderung der Türöffnung muss die statische Last über der Tür korrekt abgeleitet werden. Das bedeutet: Ohne neuen Sturz, kein sicherer Einbau. Und das gilt nicht nur für tragende Wände - auch bei nicht-tragenden Wänden kann eine zu große Öffnung das Mauerwerk überlasten und zu Rissen führen. Ein User auf heimwerker.de berichtete nach einer selbstgebauten Erweiterung: „Nach sechs Monaten waren Risse über der Tür sichtbar. Die Sanierung hat 850 Euro gekostet.“

Was du brauchst: Werkzeug und Material

Bevor du loslegst, sammle alles. Vergiss nicht: Du arbeitest in einer Wand. Staub, Lärm und Schutt sind unvermeidlich. Hier ist die Grundausstattung:

  • Winkelschleifer mit Diamanttrennscheibe (für Ziegel, Beton)
  • Hammer, Meißel (für Ziegelabtrag)
  • Wasserwaage (mindestens 1 m Länge)
  • Richtzwingen oder Türspreizen (3 Stück)
  • Montageschaum (für Außenbereiche geeignet, Frostschutz)
  • Schrauben (M10 Ankerschrauben oder Dübel für Stahlzargen)
  • Stichsäge (für Holzzargen)
  • Bohrmaschine mit Staubabsaugung
  • Schutzbrille, Staubmaske, Gehörschutz

Die Kosten für Material liegen je nach Material zwischen 85 € (Holz) und 220 € (Stahl). Professionelle Montage kostet zusätzlich 180-300 €. Aber wenn du selbst arbeitest, sparst du dir das und lernst etwas fürs Leben.

Die richtige Messung: Der entscheidende Schritt

Viele Heimwerker scheitern hier. Sie messen nur einmal - und das ist der größte Fehler. Türlaibungen in Altbauten sind selten gerade. Die Wand kann krumm sein, die Decke kann absacken. Deshalb:

  1. Messe die Breite der Öffnung an drei Stellen: oben, in der Mitte, unten.
  2. Messe die Höhe an drei Stellen: links, Mitte, rechts.
  3. Notiere das kleinste Maß - das ist dein Referenzwert.
  4. Prüfe die Wandstärke: Sie muss mindestens 11 cm bei Holz und 7,5 cm bei Stahl betragen.

Standardgrößen für neue Zargen sind 60, 70, 80, 90 oder 100 cm Breite und 198,5 oder 211 cm Höhe. Wähle die nächstgrößere Standardgröße, wenn du vergrößerst. Vergiss nicht: Du brauchst mindestens 3 mm Abstand pro Seite für den Verputz. Sonst drückt die Zarge später an den Wänden - und die Tür klemmt.

Ein Stahl-Türzargenrahmen wird mit Dämmung und Ankerschrauben in eine Wand eingebaut, drei Spreizen halten ihn stabil.

Stabilisieren: Der Türsturz ist dein bester Freund

Wenn du die Öffnung um mehr als 10 cm vergrößerst, ist ein neuer Sturz nicht nur empfohlen - er ist gesetzlich vorgeschrieben. Ein Sturz ist der horizontale Balken über der Tür, der das Gewicht der Wand darüber trägt. Ohne ihn bricht die Decke oder die Wand über der Tür.

Stahlstürze sind die bessere Wahl für größere Öffnungen. Sie halten bis zu 300 kg pro laufendem Meter. Holzstürze hingegen schaffen nur 120 kg. Das ist bei einer Erweiterung von 15 cm oder mehr kritisch. Die Fachzeitschrift „Der Bauingenieur“ empfiehlt ab 15 cm Erweiterung nur noch Stahl. Und das ist kein Tipp - das ist Ingenieurswissen.

Montage: Der Sturz wird mit mindestens M10-Ankerschrauben oder Dübeln in die Wand verankert. Bohre die Löcher exakt senkrecht, setze die Dübel ein, und ziehe die Schrauben fest - aber nicht zu fest. Sonst reißt das Mauerwerk. Der Sturz muss waagerecht liegen. Eine Wasserwaage über die ganze Länge legen - 2 mm Abweichung pro Meter reichen aus, um die Tür später zum Klemmen zu bringen. Dr. Eva Schneider von der TU München sagt: „Schon 2 mm pro Meter führen nach 2-3 Jahren zu Schließproblemen.“

Holz- oder Stahlzarge? Der große Vergleich

Verleich von Holz- und Stahlzargen
Merkmale Holzzarge Stahlzarge
Preis 85-150 € 120-220 €
Bearbeitung Leicht mit Stichsäge anzupassen Benötigt Bohrer und Spezialschrauben
Stabilität Gut bis 10 cm Erweiterung Perfekt ab 10 cm, besonders über 15 cm
Dämmung Standardmäßig schlecht Mit Wärmedämmung erhältlich (U-Wert < 1,3)
Lebensdauer 20-30 Jahre (bei Trockenheit) 50+ Jahre, rostfrei behandelt

Wenn du renovierst und energetisch sanierst - also nach der EnEV 2024 - dann ist Stahl mit integrierter Dämmung die einzige sinnvolle Wahl. Holz ist nur dann okay, wenn du die Öffnung nur um 5-8 cm vergrößerst und keine Dämmung brauchst.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Alte Zarge entfernen: Schneide die alte Zarge diagonal mit der Stichsäge (Holz) oder Winkelschleifer (Stahl) an den Ecken durch. Heble sie dann mit einer Brechstange vorsichtig heraus. Achte darauf, die Wand nicht zu beschädigen.
  2. Neue Öffnung vorbereiten: Zeichne die neuen Maße mit Wasserwaage exakt an. Mit dem Winkelschleifer und Diamanttrennscheibe schneidest du die Ziegel an beiden Seiten der Wand ein. Entferne die überschüssigen Steine mit Hammer und Meißel. Saubere Kanten sind wichtig - sonst klemmt die neue Zarge.
  3. Türsturz einbauen: Setze den neuen Sturz ein. Prüfe mit der Wasserwaage, ob er waagerecht liegt. Befestige ihn mit mindestens M10-Ankerschrauben. Die Schrauben müssen mindestens 8 cm in die Wand reichen.
  4. Zarge einsetzen: Setze die neue Zarge ein. Lasse mindestens 3 mm Abstand zur Wand an allen Seiten. Nutze drei Türspreizen - eine oben, eine in Höhe der Scharniere, eine in Höhe des Schlosses. Diese halten die Zarge exakt in Position, während du füllst.
  5. Montageschaum auftragen: Fülle den Schaum nur halb voll auf. Zu viel Schaum dehnt sich aus und verzieht die Zarge. Der Schaum muss frostbeständig sein und für Außenbereiche geeignet. Bei Temperaturen unter 10°C dauert das Aushärten bis zu 48 Stunden - nicht 24. Laut einer Umfrage von diybook.de haben 29 % der Heimwerker das nicht beachtet und mussten nacharbeiten.
  6. Abwarten und nacharbeiten: Lass den Schaum mindestens 24 Stunden aushärten (besser 48). Entferne dann die Spreizen. Prüfe mit der Wasserwaage erneut: Ist die Zarge noch gerade? Setze den Verputz auf. Nach 3 Tagen kannst du die Tür einhängen.
Vergleich: Eine verformte alte Türöffnung mit Rissen gegenüber einer perfekt installierten modernen Stahlzarge.

Was du unbedingt vermeiden musst

  • Keine statische Berechnung: Bei tragenden Wänden ist das verboten. Ein Bauingenieur muss prüfen, ob die Wand die Last trägt. Sonst drohen Bußgelder bis 50.000 € und Gefahr für das ganze Haus.
  • Zu viel Montageschaum: Schaum dehnt sich aus. Wenn du zu viel nimmst, drückt er die Zarge nach innen - die Tür klemmt. Fülle nur 60 % der Lücke.
  • Keine Spreizen: Ohne Spreizen verzieht sich die Zarge beim Aushärten. Dann ist die Tür nicht mehr dicht. Und das ist teurer als ein neuer Einbau.
  • Keine Messung an drei Stellen: Altbauten sind krumm. Du musst das kleinste Maß nehmen. Sonst passt die Zarge nicht.

Was passiert, wenn du es falsch machst?

Eine Studie der Handwerkskammer München aus Oktober 2023 zeigt: 43 % aller selbst durchgeführten Türverbreiterungen haben Mängel. Die häufigsten Probleme:

  • Risse über der Tür (durch fehlenden Sturz)
  • Klemmende Türen (durch verformte Zarge)
  • Feuchtigkeitseintritt (durch schlechte Dämmung)
  • Schallübertragung (durch zu große Spalten)

Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind Reparaturen, die 500-1.500 € kosten. Und oft muss die ganze Wand neu verputzt werden. Einige Heimwerker haben sogar ihre Wohnung nicht mehr verkaufen können, weil die Statik nicht dokumentiert war.

Die Zukunft: Was kommt jetzt?

Seit 2023 gibt es neue Zargen mit integriertem Wärmedämmverbundsystem. Sie erfüllen die EnEV 2024 mit U-Werten unter 1,3 W/m²K. Die Nachfrage steigt - um 18 % im Vergleich zum Vorjahr. Hersteller wie Gealan und Kömmerling bieten jetzt 3D-Planungstools an: Du lädst ein Foto deiner Türöffnung hoch, und das Programm berechnet dir die exakte Größe - inklusive Dämmung und Sturzlast.

Und was kommt bis 2026? Carbonverstärkte Stürze. Sie sind dünner als Stahl, aber doppelt so belastbar. Sie werden in den nächsten Jahren die Standardlösung für größere Öffnungen werden. Aber für dich als Heimwerker: Bleib bei bewährten Lösungen. Nutze Stahl mit Dämmung. Vermeide Experimente.

Kann ich eine Türöffnung selbst vergrößern, ohne einen Ingenieur zu konsultieren?

Nur, wenn es sich nicht um eine tragende Wand handelt. Aber selbst dann: Wenn du die Öffnung um mehr als 10 cm verbreiterst, solltest du eine statische Berechnung durchführen lassen. Die meisten Bauämter verlangen das schriftlich, wenn du eine Baugenehmigung einholst. Ein Bauingenieur kostet zwischen 150 und 300 € - das ist günstiger als eine Reparatur.

Warum klemmt meine Tür nach der Vergrößerung?

Meistens liegt es an einer verformten Zarge. Entweder hast du zu viel Montageschaum verwendet, der sich ausgedehnt hat, oder du hast die Zarge nicht mit Spreizen fixiert. Auch eine falsche Ausrichtung - auch nur 2 mm pro Meter - führt nach einigen Monaten zu Schließproblemen. Prüfe mit der Wasserwaage, ob die Zarge exakt senkrecht und waagerecht sitzt.

Muss ich die Zarge immer komplett austauschen, wenn ich sie vergrößere?

Ja. Du kannst eine alte Zarge nicht einfach erweitern. Sie ist nicht stabil genug, und die Verbindung zur Wand ist beschädigt. Außerdem erfüllt sie nicht mehr die aktuellen Normen. Ein neuer Rahmen mit neuem Sturz ist die einzige sichere und dauerhafte Lösung.

Welche Zarge ist besser: Holz oder Stahl?

Stahl ist besser, wenn du die Öffnung vergrößerst, besonders über 10 cm. Es ist stabiler, langlebiger und lässt sich mit Wärmedämmung kombinieren. Holz ist nur sinnvoll, wenn du die Öffnung nur minimal vergrößerst und keine Dämmung brauchst. Aber selbst dann: Holz verzieht sich mit der Zeit, besonders bei Feuchtigkeit.

Wie viel kostet eine professionelle Türzarge-Montage?

Eine professionelle Montage kostet zwischen 180 und 300 € pro Tür, je nach Region und Aufwand. Das beinhaltet den Austausch der Zarge, den Einbau des Sturzes, die Dämmung und den Verputz. Wenn du selbst arbeitest, sparst du das - aber nur, wenn du es richtig machst. Falsch gemacht, wird es teurer.